Gelegentlich publizieren wir
Glossen zu aktuellen Ereignissen, die nicht nur das meteorologische
Klima, sondern auch das gesellschaftliche Klima betreffen. Ihre
Meinung ist uns wichtig. Schreiben Sie uns.
Sie werden bestimmt denken: Da kommt doch noch was. Sonst hätte der Schreiber keine Pünktchen gemacht, sondern allenfalls ein Ausrufezeichen. Es hätte was kommen können, etwa das Sturmtief „Andrea“, das im Voraus schon mal als verheerender Orkan angekündigt wurde. Die in manchen Kreisen vielleicht erhoffte Katastrophe blieb aus, ein Themenwechsel war nicht in Aussicht. Also bleiben, ... Wieder kein Ausrufezeichen, aber schon mit Komma.
Ein Bundespräsident ist etwas Besonderes. Er steht unter besonderem Schutz. Er genießt uneingeschränkte Immunität, kein Staatsanwalt kann ermitteln, auch nichts Entlastendes feststellen, wenn es die Amtsperson nicht zulässt.
Als schwäbischer Häuslebauer möchte man sich hineindenken, vielleicht auch mitfühlen, wenn es um das Finanzieren geht. Man weiß ja, wie lange eine Familie sparen und sich einschränken muss, um das Ziel der schuldenfreien Wohnstatt zu erreichen.
Und nun das: „67 Versicherungen, Banken und Fonds fordern von Bundespräsident Christian Wulff 1,8 Milliarden Euro“ melden die Agenturen und verbreiten die Zeitungen. Da könnte beim Häuslebauer eigentlich Mitleid aufkommen. Jeder weiß doch, solche Häuser gibt es doch gar nicht, die so viel kosten, oder? Andererseits kann sich der redliche Arbeiter nicht vorstellen, dass ausgerechnet ein Ministerpräsident, der auch Aufsichtsrat und mit einigen anderen zusätzlich einträglichen Posten und mit einer Apanage von mehr als dem Vielfachen eines Arbeiterlohns ausgestattet ist, wegen einem Einfamilienhaus in Geldnot geraten kann.
Wer hatte eigentlich die späte Idee von dieser sauteuren Mitleidsnummer, die beim Normalbürger bestimmt nicht zieht? Eines ist jetzt aber klar: Der Gescholtene muss im Amt bleiben, weil Ermittlungen sonst ergeben könnten, dass die eigentlich Schlimmen noch gar nicht bekannt sind; und gerade diese haben großes Interesse daran, dass der kleine Sünder nichts sagen muss. Und vielleicht bringen sie es fertig, dass ihn der handverlesene Zirkel wieder in das hohe Amt wählt, und alle Schandtaten sind dann verjährt.
Guido Wekemann
Neresheim, 08.01.2012
Jugendsprache
Aufgeschnappt
Jugendsprache ist kreativ und hat ihren Sitz im Leben:
"Mach mir nicht den Wullf "
Bedeutet: "Lüg' mich nicht an".
"Ich bin doch nicht der Bundespräsident"
Bedeutet: "Ich sage die Wahrheit"
Guido Wekemann
Neresheim, 05.01.2012
Politiker
Keine Anleitung. Oder?!
Nun stellen Sie sich vor: Da hat einer Geld, viel Geld, von irgendwo her, aus Geschäften außerhalb der Legalität. Auf die Schnelle fallen da ein: Drogenhandel, Menschenhandel, Frauenhandel, Waffenhandel, Bestechung .... Er kann es noch nicht mit seinem Geldwert gebrauchen, weil das Finanzamt davon nichts wissen darf. Er gibt es jemandem, um den der Rechtsstaat einen Bogen macht, einem, der Immunität besitzt, einem Mitglied eines Parlaments oder noch besser einem Minister oder Ministerpräsidenten als Privatkredit, zum Beispiel für den Kauf eines Hauses. Der Geldgeber möchte seinen Batzen aber bald wieder sehen; und so bietet sich an, diesen Privatkredit diskret bei einer Bank, bei der Parteifreunde an den Schaltstellen mitwirken, durch einen legalisierten Kredit ablösen zulassen und zwar zu extrem günstigen Konditionen. Allen scheint geholfen: Der Geldgeber hat nun seine halbe Million zum Vorzeigen und kann sie bei sich ordentlich verbuchen, der ministrable Parteifreund kann über sehr billiges Geld verfügen und der Finanzbeamte darf das abnicken. Aber sagen Sie ja nicht, hier sei eine Anleitung zur Geldwäsche gegeben. Oder?!
Guido Wekemann
Neresheim, 01.01.2012
Emissionshandel
Falschgeldprivileg oder: Wie in schlechten Filmen
Nun stellen Sie Sich einmal vor: Sie erhalten von Ihrer Regierung das Privileg, Falschgeld zu drucken und in Umlauf zu bringen. Der Drucker ist handelsüblich, das Papier auch. Das Geschäft ist einträglich und Sie freuen Sich, ohne Arbeit sehr viel Geld zu bekommen.
Ganz unerwartet werden Sie aber unter Arrest gestellt und wegen Betruges angeklagt. Sie haben versäumt, beim Verkauf des Falschgeldes die Umsatzsteuer ans Finanzamt zu überweisen. Sie wähnen Sich unschuldig, denn: Seit wann kann man das Inverkehrbringen von Falschgeld ordentlich versteuern?
Der geneigte Leser hält das sicher für eine verrückte Idee. Weit gefehlt! Derzeit wird in Frankfurt einer der größten Wirtschaftsprozesse verhandelt; es geht um mehrere 100 Millionen Euro Steuerhinterziehung. Das bedruckte Papier waren keine Banknoten sondern normales Papier, das das Entstehen von CO2 genehmigt und von vielen Firmen teuer erkauft wurde. Man nennt es CO2-Zertifikate. Mit diesen Papieren zwingen die Regierungen die Unternehmen in ihren Ländern, wertloses Papier sündhaft teuer aufzukaufen.
Die falschen Banknoten und die CO2-Zertifikate haben ihren Wert nicht durch die Wert schaffende Arbeit erhalten, so wie bei einem Produkt oder einer Dienstleistung. Wie durchtrieben sind eigentlich die Politiker, die CO2, den Grundstoff allen Lebens, der immer schon vorhanden war, wie eine Ware handeln lassen, nur um zusätzlich Geld einzusammeln? Mancher Betriebsinhaber wird sich vorkommen wie der Ladenbesitzer in schlechten Filmen, dem die unfreundlichen Besucher androhen, die Ladenkasse auszuhändigen, denn sonst würde es für ihn noch sehr viel teurer.
Guido Wekemann
Neresheim, 19.08.2011
Erneuerbare Energie?
Erneuerbar oder zu erneuern?
Widerspruch gehört zur Äußerung der Jugend. Kritischer Widerspruch ist gewünscht und das Gegenüber freut sich, wenn sich die andere Meinung aus einer wissenschaftlichen Erkenntnis ableitet, und um so mehr, wenn diese in einem guten Physikunterricht in der Schule gründet.
Der Familienausflug führte neulich zu einer Windenergieanlage, an der der Onkel seiner Nichte diese Anlage als „Paradebeispiel für erneuerbare Energien“ zeigen wollte. Nun standen sie aber vor einem mehr als haushohen Gestell, das vom letzten heftigen, aber in Mitteleuropa nicht so seltenen Gewittersturm ganz und gar verbogen wurde.
Die Schülerin mit Bestnoten in Physik meldete mit einer abfälligen Handbewegung Richtung demoliertem Gerät Widerspruch an und meinte mit knitzem Gesichtsausdruck, das habe sie gelernt, Energie ist nicht erneuerbar, Energie könne nur in eine andere Energieform umgewandelt werden, wie man hier sehr deutlich sehe; was hier erneuerbar sei, sei die technische Anlage. Mit einer gewissen Überheblichkeit legte sie noch nach: „Und bei deiner Photovoltaikanlage wurden die Module innerhalb acht Jahren auch schon zweimal durch neue ersetzt, und da kannst du froh sein, dass auch deine Anlage zu erneuern war. Die Energie, die dazu benötigt wurde, war aber keineswegs erneuerbar!“ Gesagt hat der Onkel nichts mehr, aber bei sich gedacht: 'So eine Jugend macht Mut, die hat Zukunft'.
Guido Wekemann
Neresheim, 13.07.2011
Energiepolitik 2011
Es liegt auf der Hand
Zum Erinnern und Merken hat jeder seine eigene Gedankenverbindungen. Manchmal scheinen diese aber Verknüpfungen herzustellen, an die
man sonst eigentlich nie denken würde, erst recht nicht an die Energiepolitik der Bundesregierung, die in weniger als einem halben Jahr zwei
gegensätzliche Seiten zeigt:
Der erwachsene Sohn, kaum ist er von der Arbeit heimgekehrt, will gleich wieder gehen, weil er noch etwas einkaufen möchte. Seine Mutter ruft
ihm noch hinterher, er möge auch eine Packung Klopapier mitbringen. Nach kurzer Zeit kehrt er mit dem Einkaufsgut zurück, hält seiner Mutter
das Paket Toilettenpapier hin und grinst dabei: Das ist etwas Besonderes, es steht auf der Verpackung: 'Mit zwei weichen Seiten'.
Auch die Hausfrau, eine erfahrene Krankenschwester, schmunzelt: „Ja, ja, da kann ich dir nur noch raten: Benutze das Klopapier auf beiden
Seiten, dann hast du den Erfolg auf der Hand!“
Guido Wekemann
Neresheim, 07.06.2011
Die wirren Verlautbarungen der Politiker in Bezug auf die Infektionen mit EHEC dienen nicht der Klärung.
Jetzt haben wir den Salat
Nichts ist bewiesen. Der EHEC-Erreger, der die schwere Durchfallerkrankung auslöst, stammt also doch nicht aus Spanien. Das wäre den hiesigen wohl am liebsten gewesen. Fast alle Erkrankten haben das Leiden in Deutschland erworben. Wie das?
Auch das ist nicht bewiesen, aber eine von vielen Überlegungen: In Deutschland wird viel Gemüse im näheren Umkreis von Atomkraftwerken angebaut. Das leuchtet ein, denn die große Abwärme dieser Dampfkraftwerke beeinflusst auch das Kleinklima in deren Nähe hin zu etwas mehr Wärme. Auf das Pflanzenwachstum wirkt sich das günstig aus. Oft wird behauptet auch die Radioaktivität sei im Dunstkreis dieser Stromerzeuger nur wenig höher als die natürliche Radioaktivität und für die menschliche Gesundheit nicht von Bedeutung. Aber so ein klitzekleines Bakterium könnte doch, das wäre ja von Vorteil, dabei zugrunde gehen.
Nun hatte man Hals über Kopf fast alle Atomstromwerke abgeschaltet. Das Bakterium frohlockt, kann sich teilen und sich so wieder rasend schnell vermehren, auch auf Gurke und Tomate. Und jetzt haben wir den Salat.
Guido Wekemann
Neresheim, 31.05.2011
Das Erdbeben in Japan erschüttert die
Regierung in Deutschland und rüttelt deren Verlogenheit in die
Öffentlichkeit
Polit-Strom
Was haben wir nicht für
eine Vielfalt! Und die wird nun zusätzlich angereichert. Es
gibt schon Kohle-Strom, Öl-Strom, Gas-Strom, Atom-Strom,
Solar-Strom, Wind-Strom, Öko-Strom, Bio-Strom, Jauche-Strom,
... Bis vor wenigen Tagen war, je nach ideologischer Einstellung,
mal die eine und mal die andere Stromart gut oder böse, zu
teuer oder zu gefährlich, wie gesagt, je nach ideologischer
oder politischer Gesinnung. Und nun das: Nach einem der stärksten
Erdbeben und dessen furchtbaren Auswirkungen scheint nichts mehr
sicher und die Ministerin erwägt die Abschaltung der
Atomkraftwerke in Baden-Württemberg noch vor der Landtagswahl.
Aha! Jetzt ist alles klar: Aus meinen Steckdosen kommt nur noch
Polit-Strom!
Guido Wekemann
Neresheim, 14.03.2011
Die Anekdote ist Generationen alt und wird auch heute noch gerne
unter Akademikern erzählt. Der aktuell angehängte Schluss
dürfte aber nicht mehr alle zum Schmunzeln veranlassen:
Ehre wem Ehre gebührt
Zwei Wohnsitzlose melden sich kurz vor
Amtsschluss beim Bürgermeister und bitten ihn, sie über
Nacht in Gemeindearrest zu nehmen. Nach anfänglichem Zögern
und dem Hinweis der beiden, dass die Nächte trotz des nahenden
Frühjahrs noch sehr kalt seien, willigt der Rathauschef ein und
die Arrestanten haben für die Nacht einen sicheren Schlafplatz,
Waschmöglichkeit mit warmem Wasser und noch eine Verpflegung.
Am nächsten Morgen, frisch gewaschen und
nach gutem Frühstück, möchten sich die durchaus
angenehmen Gäste bedanken und höflich verabschieden. Aber
der Amtsvorstand besteht noch darauf, dass die beiden Fahrenden das
Formular ausfüllen, das ihre Unterbringung bestätigt. Das
müsse sein, wegen der Abrechnung, sein Stadtkämmerer sei
da sehr genau.
Der erste bittet, dass sein Gastgeber doch
ausfüllen solle, nach so vielen Jahren auf der Straße
könne er kaum noch schreiben. Das leuchtet ein. Nach dem
Ausfüllen wird ihm das Formblatt zur Unterschrift hingelegt.
Statt einer Unterschrift macht er ein Kreuzchen. Der brave Beamte
lässt es kommentarlos gelten und denkt bei sich: Schreiben kann
er nicht.
Für den zweiten Gast stellt er die
Bestätigung gleich selber aus, weil er auch bei ihm einen
Schreibunkundigen vermutet. Dieser unterzeichnet mit vier Kreuzen.
Der Bürgermeister meint dann etwas streng, dass ein Kreuz doch
wohl genügt hätte. Der Gemaßregelte besteht aber
darauf, denn das heiße schließlich Dr. Dr. Felix Krull.
(1)
Der Schultes schmunzelt in sich hinein und
fragt mit trockenem Humor schlagfertig zurück: Universität
Bayreuth?
Guido Wekemann
Fußnote: (1) Name s. Romanfigur, Thomas Mann <Die
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull>, S.Fischer Verlag 1954
Neresheim, 26.02.2011
Zur Missachtung der Bundespressekonferenz durch
Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg
Noch eine Watsch'n
Auf dem Schulhof stehen die Mitschüler
zusammen, weil der Musterschüler der Schule für seine
Klausurarbeit wieder eine glatte Eins bekommen hat. Die Mädchen
tuscheln über sein Aussehen; auch in dieser Hinsicht ist er ein
Muster. Den Lehrern gefällt sein eloquentes Auftreten. Bei den
Jungs wird heftiger diskutiert: Einige haben gesehen, dass er
abgeschrieben hat. Die Aufregung auf dem Schulhof dringt bis ins
Lehrerzimmer vor. Eine glatte Eins: Die Kollegen mögen doch
bitte Korrektur lesen. Ergebnis: Abgeschrieben!
Der Musterschüler soll sich erklären.
Er weist den Vorwurf des geistigen Diebstahls zurück, wisse
aber, dass seine Arbeit Fehler enthalte. Die Lehrerschaft zieht die
Augenbrauen hoch und wendet sich mit fragenden Blicken ihrem
Kollegen zu. Einem aus der Lehrerrunde entfährt es: Der
junge Mann hat Stil, so watscht man seine Lehrer ab.
Guido Wekemann
Neresheim, 21.02.2011
Die Deutsche Bahn
ist den Witterungsbedingungen eines fast normalen mitteleuropäischen
Winters nicht mehr gewachsen: Reihenweise Zugausfälle im
Dezember und im Weihnachtsreiseverkehr.
Nur ein Traum?
Winterzeit, herrliche
Schneelandschaft, Gedränge auf dem Bahnhof. Die Fahrgäste
der Bahn warten geduldig. Mitten unter den in der Kälte
Wartenden steht der Bundespräsident. Er mit leichtem
Handgepäck, der Sekretär mit dem großen Reisekoffer.
Die Präsidentengattin reist mit.
Sie haben einen Besuchstermin im
Südwesten der Republik. Der Ministerpräsident hatte
eingeladen. Der Bahnchef und sein Lobbyist von der Ostalb nehmen den
Flieger, um rechtzeitig zum selben Empfang zu gelangen.
Der Zug hat Verspätung. Der
Bundespräsident und seine Gattin warten geduldig. Andere
Fahrgäste machen sich Sorgen um Anschlussverbindungen und
vereinbarte Termine, bewundern aber die Ruhe des Staatsoberhauptes.
Wie können Sie da so ruhig bleiben? wird er von
einigen Umstehenden gefragt. Mein Termin beginnt, wenn ich
angekommen bin. Sollen die Herren der Bahn doch auch lieber den Zug
nehmen, dann müssen die auf mich nicht warten, erwidert
der ranghöchste Repräsentant unsere Staates und lächelt
dabei.
Schade, nur geträumt. Aber
wie komme ich darauf? Ja, es war die Schlagzeile in meiner Zeitung:
Der Bundespräsident geht neue Wege.
In der FDP regt
sich Unmut über den Parteivorsitzenden Guido Westerwelle.
Sie plärren nur
Sie kennen das Bild aus der
Literatur oder aus einem Film: Die Menschen im tief verschneiten
Dorf hocken in ihren warmen Stuben zusammen. Die Unterhaltung bricht
plötzlich ab, alle lauschen gespannt. Draußen hört
man die Wölfe heulen. Den Kindern sagt man, damit sie sich
nicht ängstigen, mit dem Heulen würden sich die Wölfe
verständigen, das würde die Bindungen an das Rudel
festigen. Man weiß aber auch, dass sie sich mit dem Heulen
sammeln, um auf Beutezug zu gehen.
Der Großvater unterbricht
die angespannte Ruhe im Haus: Ich höre das ganz deutlich
heraus: Sie sind mit ihrem Leitwolf nicht mehr zufrieden. Lange sind
sie ihm gefolgt und sie meinten, er habe sie erfolgreich geführt.
Aber nun erreichen sie kaum noch Beute. Noch traut sich keiner, ihn
wegzubeißen. Welcher aus dem Rudel soll es auch wagen, sie
sind ihm doch bisher alle nachgelaufen. Kinder, macht euch keine
Sorgen: Sie heulen nicht, sie plärren nur.
Erinnern Sie Sich?
Vor der letzten Bundestagswahl sind Merkel, Seehofer und Westerwelle
mit dem Vorsatz angetreten, die begrenzten Betriebszeiten für
Atomkraftwerke, so wie es auch die bis dahin geltende Abmachung mit
den Betreiberkonzernen vorsah, aufzuheben. Im Wahlkampf wurde das
immer wieder klipp und klar gesagt. Und die Wähler,
einschließlich derer, die der Wahl fernblieben, haben dem
zugestimmt.
Erinnern Sie Sich?
Vor der Wahl ist eine kleine Partei angetreten, Steuern zu senken.
Dafür wurde sie in die Regierung gewählt. Für Ihre
Klientel hat sie die Steuersenkung auch durchgesetzt.
Erinnern Sie Sich
auch, dass eben jene kleine Partei schon lange angekündigt
hatte, die Allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen. Nun macht auch die
große Koalitionspartei mit, die Bundeswehr in eine reine
Berufsarmee mit Freiwilligen umzuwandeln. Das macht Sinn, denn das
Militär soll auch im Landesinneren eingesetzt werden. Bei der
Polizei wird eingespart; bei der Wehr macht man es schon immer
anders: Da spielt Geld keine Rolle.
Sie erinnern Sich
bestimmt, dass in Baden-Württemberg Regierung und Opposition für
die Landeshauptstadt ein teures Projekt geplant hatten. In mehreren
Landtagswahlen hatten die Wähler diesem großen
Bauvorhaben, dem Vergraben des Stuttgarter Hauptbahnhofs, zugestimmt.
Und sicher erinnern
Sie Sich noch, dass die Bausumme für das Projekt Stuttgart 21
nach jeder Wahl höher angesetzt wurde. Gewählt wurden die
Bauherren trotzdem immer wieder.
Und nun erinnern Sie
Sich und blicken in die Geschichte: Nicht nur in Deutschland wählt
man gerne diejenigen, die sagen was sie tun werden obwohl man nicht
will, dass sie tun was sie sagen. Oder?
In sternklaren Nächten gehe ich nachts
gerne ins Freie um das Firmament und die Konstellation der
Himmelskörper zu betrachten. Nach ein Uhr gelingt das besonders
gut, weil dort, wo ich wohne, die Straßenbeleuchtung drei
Stunden lang abgeschaltet wird.
Die Nacht von Freitag auf Samstag bot wieder
Gelegenheit für Sternengucker. Aber etwas war anders als sonst:
Die rasch dahin fahrenden Blinksterne, die großen
Verkehrsflugzeuge fehlten, das war aus den Nachrichtensendungen
bekannt. Etwas anderes wirkte auch noch auf einen ein: Es war
beeindruckend still, angenehm dunkel und still. Das Geräusch,
das sonst von den riesigen Fliegern ausging, fehlte.
In der nächsten Nacht wollte ich diese
Stille noch einmal erleben. Das Flugverbot wegen des Vulkanstaubs
wurde aufrecht erhalten. Der Sonntag in aller Herrgotts Frühe
war fast ein berauschendes Erlebnis, die Sterne waren Nebensache.
Besonders der Übergang von der Stille der Nacht in den belebten
Tag möchte man immer wieder erlebend dürfen. Dieser wird
von den Singvögeln eingeleitet, erst zaghaft ein einziger, dem
sich allmählich immer mehr Stimmen unterschiedlichster
Klangfarben anschließen.
So empfunden bereitete der Vulkanausbruch auf
Island ein Geschenk himmlischer Stille.
Zur Ministeräußerung über
spätrömische Dekadenz im Februar 2010
Lästerlälle
äußerlich Minister,
Streng vertraulich!
Liebe Gleichgesinnte und Gleichgeratene in
der Regierung und in den Fraktionen. Unser Wahlkampfslogan Arbeit
muss sich wieder lohnen hat uns zwar an die Macht gebracht,
aber die arbeitende Bevölkerung, insbesondere diejenigen mit
niedrigen Löhnen, haben das offenbar missverstanden und fordern
nun mit der gleichen Begründung Lohnerhöhungen.
Hier müssen wir grundlegend
gegensteuern: Eine Lohnerhöhung würde zwar den Abstand zu
den Sozialhilfebeträgen vergrößern, aber die Gewinne
der Unternehmen schmälern. Deshalb fordere ich Sie auf, meinem
Vorschlag zuzustimmen: Wir senken die Sozialhilfebeträge und
schaffen somit ebenfalls einen größeren
Einkommensabstand.
Dreierlei können wir dann für uns
verbuchen: Wer arbeitet hat wieder etwas mehr in der Tasche als der
Arbeitslose. (Wir müssen ihm ja nicht sagen, dass er sich dafür
trotzdem, wegen der Preissteigerungen und wegen des Kursverfalls des
Euro, weniger kaufen kann.) Den Unternehmen bleibt etwas mehr, auch
das soll sich ja lohnen. Und drittens können wir unsere
Klientel über gezielte Steuerbefreiungen begünstigen, mit
dem, was wir bei den Langzeitarbeitslosen eingespart haben. Ich bin
fest überzeugt, und die Erfahrung aus den letzten Jahren legt
das nahe, dass davon an unsere klammen Parteikassen ansehnliche
Beträge in Form von Spenden zufließen werden.
Lassen Sie Sich von dem Gezeter in der Presse
nicht beirren. Mich ficht das sowieso nicht an.
Hochdekadenzerfahren
Lästerlälle
Minister des Äußerlichen
Hinten raus
Die neuesten Statements aus der
Bundesregierung brachten eine lange zurückliegende Begebenheit
aus dem Oberschwäbischen wieder in Erinnerung: In den ersten
Nachkriegsjahren, also vor über 60 Jahren, verschluckte ein
Junge im Kleinkindalter einen Rosenkranz, mit dem er gespielt hatte.
Der hinzu gerufenen Hausarzt untersuchte das Kind, das
offensichtlich keine Beschwerden zeigte und riet den besorgten
Eltern und Tanten: Setzet halt da Bua öfter uffs Häfele
und gucket nôch, ob des Kettele hinta wieder raus kommt.
Am dritten Tag musste der Bub kräftig
drücken und die Gebetshilfe mit den runden Perlen hatte ihre
Reise durchs Gedärm beendet; auch das angehängte Kreuzchen
war noch dran. Bub und Rosenkranz hatten keinen Schaden genommen.
Letzterer musste halt noch gewaschen werden und wurde fortan
besonders aufbewahrt.
Und wie komme ich darauf: Die
Regierungschefin und ihr Gehilfe Westerwelle erklärten ihr
Regierungsvorhaben vor Journalisten silbengleich: Entscheidend
ist, was hinten raus kommt. Die Befürchtung ist
angebracht: Die wissen schon, was hinten raus kommt?!
Guido Wekemann
Neresheim, 04.02.2010
Trumpf oder Lusche
Neuerdings stuft eine Regierungsbehörde
der USA CO2 per se als gesundheitsschädlich ein. Schon klar,
die Dosis macht es aus! Das gilt, nur zwei Beispiele, für Bier
und Rotwein ebenso. Hier soll Kohlendioxid als politische
Trumpfkarte eingesetzt werden. Sie könnte aber auch zur
Lusche werden. Lassen Sie mich diesen Gedanken
humoristisch weiterspinnen: Die politischen Gegner des
US-Präsidenten Obama im Kongress und Senat greifen das auf und
verlangen, dass seine Regierung den Behördenerlass auch
umsetzen muss. Folge: Keine Bühnenshow mehr mit Wolken aus
Trockeneis, keine Cola, keine Limonade mehr mit Kohlensäure
angereichert, Sektflaschen dürfen nicht mehr geöffnet
werden. Wenn der Ersthelfer am Unfallort mit einer
Mund-zu-Mund-Beatmung ein Menschenleben rettet, erstreitet der
pfiffige Anwalt nach amerikanischem Recht für den Geretteten
noch eine hohe Summe Schmerzensgeld, weil der Helfer eine 100 mal
größere Menge CO2 in seine Lungen gepresst hatte. Unsere
Ausatemluft enthält 4 Prozent CO2, die normale Atemluft aber
nur 0,04 Prozent. Dann darf man hoffen dass dieser Präsident
seine begonnene Amtszeit zu Ende führen kann.
Der neu gewählte Bundestag hat seine
erste Sitzung hinter sich. Eine neue Koalition hat sich gefunden und
die Regierungsabsicht in einem Vertrag der Öffentlichkeit
mitgeteilt. Das Wesentliche: Sparen sei derzeit schädlich. Wie
lange wird es dauern, bis auch die Bundestagsabgeordneten diese
Erkenntnis für sich in Anspruch nehmen und für sich höhere
Diäten beschließen werden? Und sie werden es uns
begründen können. Möglicherweise halten sie es nicht
für eine Erhöhung ihrer Bezüge sondern können
darauf verweisen, dass es allenfalls eine bescheidene Gefahrenzulage
sei. Bundestagsabgeordneter ist eine überaus gefährliche
Beschäftigung. Lebensgefährlich! Für 187
Abgeordnete endet das Leben im Parlament. so steht es in
meiner Zeitung. Für mich steht fest: Ich will niemals
Abgeordneter werden.
Nun hat einer mal gesagt, was Sache ist. Die
Medien, insbesondere die öffentlich rechtlichen Fernsehsender,
würden das Parlament nicht genügend beachten und statt der
Parlamentseröffnung des neuen Bundestags lieber Seichtes
senden. Da hat der Präsident des Deutschen Bundestags bei
seiner Rede wohl einen Treffer gelandet. Und wie reagieren die die
Gerügten? Sie lamentieren und verweisen auf ihren Fernsehkanal
Phoenix.
Macht was daraus! möchte man
als Wähler den Verantwortlichen von ARD und ZDF zurufen.
Sendet die Sitzungen des Bundestags in voller Länge und
Breite: Öffnet den Bildwinkel Eurer Objektive und richtet sie
auf den Plenarsaal. Nützt Eure technischen Möglichkeiten!
Blendet über jedem Abgeordnetenplatz das zugehörige
Namensschild ein. Zeigt den Plenarsaal im Vollbild, die Redner könnt
Ihr in einem kleineren Bildchen einblenden.
Oder wollt Ihr uns Wählern die
Demütigung ersparen, wenn wir sehen müssen, dass in den
Sitzungen des Bundestags nur wenige Abgeordnete anwesend sind und
wir auf unserer Strichliste feststellen müssen, dass unsere
Abgeordneten die meiste Zeit durch Abwesenheit glänzen?
Nun ist es also raus: Die Bevölkerung
muss vor einer möglichen Seuche bewahrt werden. Viele forschen
um ein neues Grippevirus. Die Grippe selbst ist nicht attraktiv. Um
so mehr ist es der Impfstoff. Ihn bloß zu besitzen macht aber
nicht glücklich; verkauft muss er werden! Dann hat sich das
Forschen zigmillionenfach gelohnt. Davor steht aber die Werbung für
das Produkt. Entgegen üblicher Werbepraxis braucht man hier
aber nicht für das Medikament einen griffigen, aussagekräftigen
Namen, sondern die Krankheit erhält eine Bezeichnung, die
eingängig ist und Angst erzeugen kann.
Die Lobbyisten, die Einflüsterer für
die Politiker, haben das Propagandapotenzial der Seuchenangst
erkannt. Schweinegrippe haben sie das Virus genannt, das die
Wissenschaftler mit einer Kombination aus Buchstaben und Ziffern
benennen. Schweine erkranken aber nicht an diesem Virus, sondern
Menschen. Und eigentlich dürfte der Krankheitsverlauf
allenfalls Schweingrippe heißen, so wie bei der Vogelgrippe.
Oder?
Die Ausbildung zu Natur- und
Landschaftsführern, der Alb Guides, findet bei jedem Wetter
statt. In der Praxis muss man sich ja auch auf alle Wetterfälle
einstellen. Bei der Exkursion Kleintierfauna, die durch
ein Trockental der Ostalb führte, regnete es ausgiebig. Wer
seiner Regenkleidung nicht traute, spannte den Regenschirm auf.
Trotz der Feuchte gab es viel zu sehen, auch
Schnecken, bekannte und weniger bekannte Arten. Von einem
Regenschirm wurde eine münzgroße Gehäusechnecke
abgelöst, die dort ziemlich fest klebte, und dem
Exkursionsleiter als Fund vom Ort der Begehung zur näheren
Bestimmung übergeben. Der Diplombiologe vom NABU war etwas
irritiert: Diese Schnecke dürfte es hier eigentlich nicht
geben. Wenn sie ausgewachsen ist wird sie deutlich größer
als unsere heimische Weinbergschnecke. Sie bevorzugt ein wärmeres
Klima und ist in Italien heimisch.
Alb Guide Martina konnte aufklären: Die
Schnecke war auf meinem Schirm. Ich kam erst vom Italienurlaub
zurück und der Schirm lag seither im Kofferraum meines Autos.
Dieses Tier hatte es geschafft, die Alpen zu
überqueren, was seiner Art auf natürliche Weise wegen der
Klimabedingungen nicht möglich wäre. Globalisierung kennt
keine Hindernisse.
Man war sich einig: Die Schnecke sollte nicht
auf der Alb ausgesetzt werden. Sie wird in einem Terrarium gehalten;
und bei der nächsten Fahrt in den Süden ist sie wieder
dabei.